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Heimatverein Siebengebirge e.V. Königswinter
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Aus der Chronik der Höheren Mädchenschule in Königswinter von Maria Mirbach (Echo des Siebengebirges, 31. Mai und 2. Juni 1927) Die Höhere Mädchenschule in Königswinter wurde gegründet im Jahre 1852. Die erste Vorsteherin war Fräulein Elise Berger aus Aachen. Das Schullokal befand sich in dem heutigen Hotel Adler (damals Privathaus Eschenbrenner). Die ursprüngliche Einrichtung war höchst einfach: in Ermangelung von Pulten benutzte man Tische, und jede Schülerin hatte ihren eigenen Stuhl zu stellen. Zu den ersten Schülerinnen zählte auch das 7jährige Töchterchen des Bürgermeisters Mirbach – Frau Bertha Mirbach geb. Mirbach ist heute wahrscheinlich die einzige noch Lebende von diesen ersten Schülerinnen. Geschichtlich erwähnenswert ist, daß der letzte Conventuale des im Jahre 1802 aufgelösten Cistercienserklosters Heisterbach, der hochbetagte Hochwürdige Herr Aloys Olzem, den Schülerinnen der Höheren Mädchenschule Religionsunterricht erteilte, und zwar in seiner Wohnung (heute Elektro-Haus Haletzki). Er starb in Königswinter im Jahre 1859 im Alter von 88 Jahren. Nach ihm übernahm Herr Pastor Clasen den Religionsunterricht und gab ihn lange Jahre hindurch. Schon seit Entstehen der Höheren Mädchenschule erteilte der Hauptlehrer Franz Schunck den Gesang- und später auch den Rechen-Unterricht. Das Schullokal wurde bald verlegt in das Haus Hauptstraße 103 (heute Putzgeschäft Stang), dann um 1860 in das Haus Hauptstraße 74. Später befand es sich am Fahr Hauptstraße neben dem Rheinischen Hof, noch später in der "Welt" zwischen Karolinenstraße und Neustraße, endlich in der Klotzstraße (im späteren Kasino). Die Nachfolgerinnen von Fräulein Berger waren die Damen: Fräulein Dengler Ehlen Bertram (um 1870) Clara Zimmermann welche jedoch alle nur kurze Zeit die Schule leiteten. Eine längere Wirksamkeit war Fräulein Ernestine Kraus beschieden um 1877. Dann folgte Fräulein Catharina Schmitz etwa um 1879. Leider ging in den Wirren der Nachkriegszeit das auf dem Rathaus beruhende Aktenstück "Höhere Mädchenschule" verloren, so daß sich diese Daten nicht genauer feststellen lassen. Während Fräulein Schmitz sich auf das Schulvorsteherinnen-Examen vorbreitete, übernahmen die beiden Schwestern Mirbach: Fräulein Margarethe Mirbach † 1898 und die Schreiberin dieses, ihrer Vertretung und weiterhin den Unterricht im Französischen 1881 und 1882. Die Schule siedelte bald darauf über in die "Traube" (das frühere Gerichtsgebäude), danach in das Haus von Fräulein Genger (jetzt Haletzki). Die wachsende Schülerinnenzahl erheischte die Hilfe einer ständigen Mitarbeiterin, als welche Fräulein Johanna Rieke aus Wetzlar eintrat 1886. Diese hat, nachdem Fräulein Schmitz im November 1887 ausschied, um ins Kloster zu treten, den Winter 1887/88 hindurch den Schuldienst allein versehen. Sie blieb dann bis 1890 unter der neuen Schulvorsteherin Fräulein Therese Kreer aus Siegen tätig, welche im April 1888 die Schule mit 19 Schülerinnen übernahm. Im Jahre 1890 trat an die Stelle von Fräulein Rieke Fräulein Hermine Kreer, die Schwester der Schulvorsteherin Bis Pfingsten 1888 war das Schullokal noch im Hause Haletzki und zwar in den Räumen, welche der schon genannte alte Religionslehrer, der letzte Mönch von Heisterbach, bewohnt hatte. Dann ein Jahr lang in der heutigen Wohnung der Frau Witwe Clemens Hillesheim und darauf 6 Jahre im Hause Dumont (heute Oberstadtsekretär Küster). Da bei der zunehmenden Zahl der Schülerinnen die Räume in diesem Hause nicht mehr genügten, so mietete die Schulvorsteherin das Clave von Bouhaben´sche Haus, welches 30 Jahre hindurch die Stätte ihrer Wirksamkeit blieb. Große Schwierigkeiten und Kämpfe erwuchsen der Schulvorsteherin aus dem Umstande, daß neben ihrer conzessionierten Mädchenschule eine Familienschule bestand, welche erst nach 10 Jahren einging 1898. Die Zahl der Schülerinnen betrug im Jahr 1905 70 bis 80. Es kamen Kinder aus Mehlem, Rhöndorf, Honnef, Unkel und Linz. Da die Bahnverbindungen für den Schulbesuch nicht günstig lagen, richteten die Honnefer Eltern Omnibusfahren ein, welche die Kinder bis an das Schullokal brachten und nachmittags abholten. Nachdem durch die Gründung von Höheren Mädchenschulen in Honnef und Linz (Klosterschulen) der Zuzug von Süden versiegte, wurde die Pforte nach Norden geöffnet: es fanden sich Schülerinnen ein aus Ober- und Nieder-Dollendorf, Oberkassel, Rheindorf, Beuel und Umgebung. Die Frequenz wurde begünstigt durch den Bau der Elektrischen Bahn (Siebengebirgs-Bahn). Bald ergab sich die Notwendigkeit, eine dritte Lehrkraft einzustellen. Die erste der eintretenden Damen war Fräulein Busch aus Münster; ihr folgten Fräulein Hoeneß aus Ulm, Echelmeyer aus Münster, Oppenheim aus Olpe i.W., Koenig aus Münster, Bürgers aus Hartefeld bei Geldern, Willems aus Niederich bei Ahrweiler, Nachtsheim von hier und Schlangen aus Bonn. Zeitweilig waren als Vertreterinnen tätig die Damen: Fräulein Warler aus Beuel, Günther aus Bonn und Cremer von hier. Der katholische Religionsunterricht wurde erteilt den Hochwürdigen Herrn Dechanten Rey und Commes (von letzterm Herrn 33 Jahre hindurch), von Herrn Dechanten Schlösser und den Hochwürdigen Herren Kaplänen Lersch und Brandts; der evangelische Religionsunterricht von dem Hochwürdigen Herrn Superintendenten Rentrop und von Herrn Lehrer Corbach. Es kam der Weltkrieg und in seinem Gefolge die Not, das Elend, die Armut! Doch an der Kriegsfackel entzündete sich zugleich die Flamme begeisterter Vaterlandsliebe. Ein jeder war nach Kräften bestrebt, der teuern bedrohten Heimat und ihren tapferen Verteidigern im Felde zu helfen, die Wunden zu heilen, die der Krieg schlug, die verlassenen Familien zu trösten. In diesem edeln Wettstreit blieb die Töchterschule nicht zurück; sie beteiligte sich eifrig an der Kriegshilfe. Wer zählt die reichen Liebesgaben, Kleidungsstücke und dergleichen, welche die Schülerinnen zum Teil selbst anfertigten, um die Krieger an der Front, die Gefangenen in Feindeshand, die Verwundeten und Kranken in den Lazaretten, die Kriegerfrauen und ihre Kinder daheim zu erfreuen? Trotz der langen Dauer des Krieges erlahmte die opferwillige Tätigkeit der Schule nicht. Es sei nur erinnert an die verschiedenartigen Sammlungen (Papier, Metall, Gummi, Obstkerne, Futterlaub, ausländisches Geld), an den Verkauf von Kriegsandenken und Ansichtskarten, an die Goldsammlung gleich zu Beginn (4390 Mark), an die acht Kriegsanleihen, wozu die Schule namhafte Beträge aufbrachte. Bei dem ebenso denkwürdigen wie erschütternden Rückzug der deutschen Truppen (November-Dezember 1918) waren die Schulräume dicht mit Soldaten belegt. Feldküche, Proviantwagen und Pferde fanden auf dem Spielplatz Aufstellung, sogar der Meldehund im Kelterhaus fehlte nicht. Abends wurde man an Wallensteins Lager erinnert.: eine Gesellschaft spielte Karten, andere sangen vaterländische Lieder und Rheinlieder. Alles bei trübem Kerzenlicht, denn das Gas versagte. Einige Todmüde schliefen weltvergessen im Winkel. Montag den 9. Dezember 1918 konnte der Unterricht wieder beginnen. Feindliche Besatzung im Rheinland! Verkehrsstörungen aller Art erschwerten bei der großen Zahl auswärtiger Schülerinnen den Schulbetrieb. Auf die persönliche Vorstellung der Schulvorsteherin hin gestatteten die britischen Behörden in Bonn und Oberkassel die Beförderung der Schülerinnen durch die Elektrische Bahn zum Zwecke des Schulbesuchs, wodurch 35 von ihnen der Zugang wieder frei wurde. Die Not der Nachkriegszeit überstieg alles dagewesene. Seit 1909 erhielt die Schule einen kleinen städtischen Zuschuß. Obwohl dieser später gesteigert wurde, und obwohl auch die Schulgelder erhöht wurden, reichten sie bei der wahnsinnigen Teuerung nicht hin, um die persönlichen und sachlichen Kosten zur Unterhaltung der Schule zu decken. Das Hungergespenst ging durch die deutschen Lande! Am 25. Februar 1923 besetzten die schon ins Ruhrgebiet eingedrungenen Franzosen unser Städtchen. Der Bahnverkehr, die Post stockte. Keine Kohlen, kein Gas! Immer schwerer drückten die Sorgen auf die Schulleitung. Nicht daß es an Arbeit gefehlt hätte, die Schülerinnenzahl betrug 120; aber die kargen Schulgelder gingen spärlich ein. 10 Freischülerinnen gab es beständig, auch vor dem Krieg, andere genossen Schulgeldermäßigung, und die Geldentwertung wuchs ins Ungeheuerliche. Dazu kamen später die großen Verluste durch den vorzeitig angeordneten Abbau der Vorschule, wodurch die unteren Klassen wegfielen. Im Jahre 1920 war die Schwester der Schulvorsteherin, Fräulein Hermine Kreer, an einem unheilbaren Leiden erkrankt. Mit Aufbieten aller ihrer Kräfte zwang sie sich zwar noch eine Zeitlang zu der ihr im Laufe von 30 Jahren so lieb gewonnen Lehrtätigkeit, aber am 12. November 1921 erlag sie doch den Anstrengungen, welche die unsägliche Bedrängnis der Nachkriegszeit verdoppelt hatte. Der Verlust war unersetzlich; denn Fräulein Hermine Kreer leistete nicht nur in den wissenschaftlichen, sondern auch in den technischen Fächern (Zeichnen, Malen, Handarbeiten) Vorzügliches. Wie sehr sie sich der Liebe und Anhänglichkeit der Kinder und deren Eltern erfreute, davon legte die Trauer bei ihrem Hinscheiden und die Teilnahme der ganzen Stadt bei ihrer Beerdigung beredtes Zeugnis ab. Fräulein Hermine Kreer hatte bei aller Bescheidenheit die Ziele der Anstalt in hohem Maße gefördert; sie war, wie man sie nannte, die Mutter der Schule, wie denn überhaupt das Verhältnis der Kinder zu den Damen Kreer allmählich ein patriarchalisches geworden war. Begann doch seit 1908 schon die zweite Generation, indem die Töchterchen ehemaliger Schülerinnen Aufnahme in die Schule fanden. Erwägt man, daß die höhere Mädchenschule in den 38 Jahren, während deren sie in der Hand von Fräulein Kreer lag, unter mannigfachen Fährnissen und Kämpfen sich nicht nur behauptete, sondern sogar zu hoher Blüte entfaltete, so muß man der Lehrbefähigung, der Umsicht und dem opferwilligen Streben der Leiterin alle Anerkennung zollen. Diese wurde ihr denn auch bei der feierlichen Uebergabe der Schule an die Ehrwürdigen Schwestern aus der Genossenschaft der armen Dienstmägde Christi zu Dernbach Ostern 1926 in reichem Maße von den Behörden, geistlichen und weltlichen, zuteil. Der heilige Vater Pius XI. verlieh ihr anläßlich ihres Scheidens aus dem Schuldienste das Kreuz Pro Ecclesia et Pontifice, welches ihr am 25. Juni 1926 im Auftrage des Herrn Kardinals-Erzbischofs von Herrn Dechanten Schlösser überreicht wurde. Im Laufe der Jahre gingen aus der Schule viele brave, tüchtige, mit christlichen Grundsätzen für das Leben ausgerüstete Frauen und Mütter hervor. Eine Anzahl ehemaliger Schülerinnen arbeitet heute in den verschiedensten Berufen, kaufmännischen und sonstigen, mehrere widmeten sich mit Erfolg der wissenschaftlichen Laufbahn an der Universität. Möge der gute Stern, der Jahrzehente hindurch über der höheren Mädchenschule waltete, ihr auch unter der neuen Leitung treu bleiben. Zum Schluß noch ein Wort über das alte von Clave´sche Haus, worin die höhere Mädchenschule 30 Jahre hindurch ihr Heim hatte. Es gehört gleich den beiden angrenzenden Häusern von W. Menge (Stern) und Bachem (Rebstock) zu den ältesten Bauten der Stadt und stammt aus der Barockzeit. Diese Häuser sind in der "Rheinischen Kunstgeschichte" abgebildet. Lange Jahre hindurch war das Haus Clave von Bouhaben, später Pfeffer von Salomon, der Sommeraufenthalt dieser Familien, welche in Königswinter ein Weingut besaßen. Ein Kelterhaus mit Riesenfässern war bis zum Kriege noch vorhanden. Zu passendem Abschluß der Chronik darf ich wohl ein Gedicht aus der Feder einer der leitenden Damen anführen: Ich bin ein schlicht und einfach Haus Von hohem Altertume, Die Jugend geht hier ein und aus Als Knospe, Blüte, Blume. Drum nennt man mich wohl rühmend gar "Das Haus der ew`gen Jugend." Den Kindern weist in mir man klar Den Weg des Glücks, der Tugend Hier werden Sprachen, Wissenschaft Und Kunst gelehrt, gepfleget, Zum Guten mit Geduld und Kraft Der Keim ins Herz geleget. Wie Viele noch, die das Geschick Führt´ in der Länder Weiten, Sie denken mein, und an das Glück Der sonn´gen Jugendzeiten! |